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Wissen > Dietz Consultants Tipps & Tricks > Chancen mit dem Lasten- und Pflichtenheft im Kontext FMEA

1. Ziele & Voraussetzungen: Lastenheft und Pflichtenheft

Lasten- und Pflichtenhefte sind wirksame Instrumente im Produktentwicklungsprozess.

Sie helfen bei der anspruchsvollen Aufgabe, Kundenanforderungen in ein tragfähiges Produktkonzept zu übersetzen. Damit lauten die Ziele:

  • Lastenheft: Kunden- und Marktforderungen umfassend verstehen und in ein lösungsneutrales Systemkonzept übersetzen
  • Pflichtenheft: das Wissen in den lösungsneutral beschriebenen Systemkonzepten in einen Entwicklungsauftrag wandeln.

Voraussetzungen für das effiziente und effektive Nutzen der Möglichkeiten des Lasten- und Pflichtenheftes sind:

  • Wissen und Verständnis zur Entwicklung von Lastenheften
  • Wissen und Verständnis zur Entwicklung von Pflichtenheften
  • Wirkungsvollen Prozess für das Entwickeln und Bereinigen des Lasten- und Pflichtenheftes

2. Vorgehen: Lastenheft und Pflichtenheft

Die Sammlung der Anforderungen und Wünsche des Kunden steht am Anfang der Entwicklung eines neuen Produktes.

Es gilt alle Informationen sorgsam zusammenzutragen. Viele Unternehmen nutzen dazu eine Anforderungsliste oder eine technische Spezifikation. Ein systematischer Übersetzungsprozess für die Kundenanforderungen erfolgt über zwei Stufen. In der ersten Stufe werden die Anforderungen in einem Lastenheft gesammelt. Dieses enthält eine Zusammenstellung der Anforderungen aller externen (Kunden, Behörden, Normen) und internen (Marketing, Service, Vertrieb, Logistik, Fertigung) Anforderungsträger an das neue Produkt sowie die Beschreibung des Umfelds für das Projekt. 

Im zweiten Schritt werden Anforderungen aus dem Lastenheft in ein Pflichtenheft übersetzt. Im Gegensatz zum Lastenheft darf das Pflichtenheft keine Widersprüche mehr enthalten. Es darf aber ganz konkrete technische Lösungsansätze einschließen.

3. Beispiele: Lastenheft und Pflichtenheft

Es empfiehlt sich, eine Standardgliederung vorzugeben, um wichtige Aspekte nicht zu vergessen:

Standardgliederung
"Standardgliederung Lastenheft"; Bildquelle VDMA


Übersetzung des Lastenheftes in das Pflichtenheft

Der Übersetzungsprozess des Lastenheftes in das Pflichtenheft kann wie folgt beschrieben werden. Aus funktionellen Anforderungen müssen Anforderungen an ein technisches Konzept werden. Oftmals erfordert dies eine Detaillierung und Konkretisierung der Anforderungen im Lastenheft zur Realisierung des neuen Produktes mit quantifizierbaren und prüfbaren Größen. Kurz gesagt wird im Pflichtenheft definiert, wie, welche und womit die Anforderungen im Lastenheft realisiert werden sollen.

Lastenheft zu Pflichtenheft
"Lastenheft zu Pflichtenheft"; Bildquelle VDMA

4. Ergebnisse: Lastenheft und Pflichtenheft

Ein Lastenheft definiert, welche Anforderungen an das neue Produkt von wem gestellt werden. Dabei sollte die Formulierung der Anforderungen lösungsneutral sein. Ansonsten wird der Lösungsraum eingeschränkt. Weiter dürfen sich die Anforderungen in diesem Stadium widersprechen. 

Ein Pflichtenheft kann als Entwicklungsauftrag für die Konstruktion oder zur Untervergabe an einen Dienstleister verstanden werden. Üblicherweise wird das Pflichtenheft quasi aus dem Lastenheft fortgeschrieben. Es hat damit dieselbe Gliederung. Dieses Vorgehen hilft dabei, die Durchgängigkeit des Übersetzungsprozesses zu gewährleisten, denn man ist immer in der Lage, die ursprünglichen Kundenanforderungen nachzuvollziehen.

Die Inhalte des Lasten- und Pflichtenheftes stellen eine wichtige Eingangsgröße für die FMEA-Entwicklung dar. Die FMEA verifiziert die Vorgaben des Lastenheftes. Dazu werden:

 

 In der Strukturanalyse Konzeptlösungen berücksichtigt
 In der Funktionsanalyse Vorgaben des Lasten- und Pflichtenheftes gespiegelt.